… ein zweites Leben“
So steht’ s auf einer soeben wieder aufgetauchten Urkunde, gab ich 2003 einem Menschen durch eine Stammzellenspende.
Ein schönes Gefühl! Ich hoffe „ihm“ geht es immer noch so gut, wie noch vor gut fünf Jahren. Ein weiterer Kontakt ist leider nie zustandegekommen, aber manchmal denke ich schon noch daran. So wie heute, als ich die Urkunde in einem wunderschönen Bildband von A.nne G.ed.des wiedergefunden habe.
Als Knochenmarkspender registriert bin ich schon seit Ende der 80er, also jetzt seit fast 20 Jahren; damals war ein Kind hier aus der Gegend an Leukämie erkrankt und es wurde verzweifelt ein Spender gesucht. Viele Menschen aus meiner Heimat haben sich damals typisieren lassen, auch ich. Leider konnte dem Mädchen aber damals nicht geholfen werden, obwohl irgendwann ein Spender gefunden wurde, verstarb sie viel zu früh.
Nach einigen Jahren, so etwa 1993/94 bekam ich eine Anfrage auf eine weiterführende Untersuchung, da ich möglicherweise als Spender in Frage kam. Also wurde mir beim Hausarzt eine (oder auch zwei?) weitere Ampullen Blut abgenommen und an das Labor geschickt. Ich kam aber wohl leider nicht in Frage, ich habe danach lange Zeit nichts mehr vom Institut gehört.
Das änderte sich Ende 2002, ich bekam einen Anruf, dass ich sehr wahrscheinlich als Stammzellenspender für einen Patienten in Frage käme und ob ich noch weiterhin dazu bereit wäre. Natürlich war ich, Ehrensache!
Soweit ich mich erinnere, musste ich wieder eine Blutprobe hinschicken, um ganz sicher zu gehen. Und tatsächlich, es gab den 5er im Lotto, ich war geeignet! *freu*
Ich wurde für Anfang Januar 2003 zu einem Beratungs- und Aufklärungsgespräch und einer ärztlichen Untersuchung eingeladen. Dort füllte ich einen ellenlangen Fragebogen auf und wurde eingehend untersucht. Alles o.k., einer Spende stand nichts im Wege.
Es wurde uns, mit mir waren noch weitere Spender anwesend, das Prozedere erklärt: Wir mussten 5 Tage vor der Stammzellenentnahme damit beginnen, uns ein Medikament zu spritzen, dass die Stammzellen vermehrt ins Blut ausschütten würde. Am Tag der Spende würden wir dann an ein Art Blutwäschegerät angeschlossen, das mit Hilfe einer Zentrifuge die Stammzellen aus dem Blut „auswaschen“ würde. Soweit die Theorie.
Spritzen, ich mich?
O.k, das mussten wir dann da unter Anleitung des Arztes mit Kochsalzlösung üben. Es war eine Überwindung, aber machbar ist alles.
Auch zuhause dann klappte das Spritzensetzen selber ganz gut. Nur war das Medikament in einer total doofen Form vorhanden. Ich musste eine Ampulle mit einer Flüssigkeit aufbrechen und in eine weitere mit einem Pulver schütten. Das Pulver sollte sich dann eigentlich in der Flüssigkeit auflösen, weigerte sich aber vehement. Egal, diese Mixtur musste dann in meinen Bauchspeck geschossen werden, koste es was es wolle
Als Nebenwirkung des Medikaments bekam ich ziemlich fiese Rückenschmerzen, aber das war mir vorausgesagt worden und war nur vorübergehend.
Am Tag der Spende fuhren mein Mann und ich dann ins Institut und wir wurden freudig begrüßt. Man behandelte mich wie eine Königin. Dabei war es wirklich eine Selbstverständlichkeit für mich zu helfen. Meine beiden Kinder hatte ich damals schon und ich habe immer gedacht, wenn mein Kind krank ist, wäre ich doch auch unendlich froh, wenn sich ein Spender finden würde. Wie hätte ich da nein sagen können?
Kurz bevor ich an das Gerät angeschlossen wurde, wurde ich noch mal auf die Toil.ette geschickt. Denn wenn mal einmal auf dem Stuhl sitzt, ist es etwas kompliziert, den Vorgang zu unterbrechen. Man sollte eigentlich einige Stunden sitzenbleiben können.
Ich nahm also auf dem sehr bequemen Stuhl Platz und der Arzt legte an beide Armbeugen die Zugänge. Aus dem linken Arm lief mein Blut in das Gerät hinein, wurde geschleudert und damit hoffentlich viele Stammzellen gewonnen. Dann wurde mein Blut wieder aus der Maschine herausgeführt und im rechten Arm wieder in meinen Körper geleitet. Leider gab es aber immer Probleme mit Fehlermeldungen und damit verbundenem Stopp des Gerätes.
Ich bekam einen Igel Plastikball mit Noppen in die linke Hand, den ich kneten sollte. Damit ging es dann etwas besser, mit nicht ganz so vielen Stopps, weiter.
4 Stunden saß ich so in dem Stuhl, mein Mann leistete mir Gesellschaft und wir unterhielten uns. Es gab auch die Möglichkeit, Videos zu gucken oder Musik zu hören, aber die Zeit ging auch so um. Blöd ist nur, dass man die Hände nicht frei hat, also ist Naseputzen, Kopfkratzen oder ähnliches schwierig. Auch Lesen ist umständlich, da man zum Umblättern dann immer fremde Hilfe braucht. Aber das sind wirklich Kleinigkeiten, mit denen man leben kann.
Leider stellte sich nach diesen vier Stunden heraus, dass die gesammelten Stammzellen noch nicht ausreichten; der Patient war wohl größer und schwerer als ich und brauchte eine entsprechende Menge. Also wurde ich mit einer weiteren Dosis des Medikamentes, das ich abends noch einmal spritzen sollte, nach Hause geschickt.
Am nächsten Tag dann die gleiche Prozedur, wieder saß ich einige Stunden auf diesem Stuhl, während mein Blut durch die Maschine lief.
Dann endlich die erlösende Meldung: Wir haben genug Stammzellen!
Diese gingen dann in einer Kühlbox mit einem Kurier in Richtung Flughafen. Wohin es genau ging, habe ich nie erfahren.
Ich wurde mit besagter Urkunde und vielen Dankesworten des sehr netten Institutteams nach Hause entlassen und mein Mann und ich gingen zur Feier des Tages schön essen.
Ein halbes Jahr später konnte ich mich telefonisch nach dem Gesundheitszustand „meines“ Patienten erkundigen. Ich bekam die erfreuliche Auskunft, dass es ihm sehr gut gehe und er ein normales Leben ohne Medikamente führen könne. Ich hoffe wirklich sehr, dass dem auch heute noch so ist!